Charles Baudelaire

Aufforderung zur Reise

      Kind, Schwester, hold ist's zu träumen,
      Wir zögen zu zwein ohne Säumen
Nach jenem herrlichen Land.
      In Lieb uns verstehend,
      In Liebe vergehend,
Dort wo die Welt dir verwandt.
      Wo die feuchten Sonnen,
      Von Schleiern umsponnen,
Erwecken so seltsame Glut,
      So rätselhaft Sehnen
      Wie dein Auge voll Tränen,
Drin verräterisch Leuchten ruht.
      Dort, wo Frieden, Lust und Prangen,
      Glanz und Wollust uns umfangen.
      Viel blankes Gerät
      Im Saale steht,
Die Jahre gaben ihm Schimmer.
      Fremder Blumen Duft,
      Weiche Ambraluft
Durchwehen wie Träume das Zimmer.
      Die Wände so weich,
      Die Spiegel so reich,
Des Orients leuchtend Gepränge
      Fast scheint es dir,
      Als vernähmest du hier
Der Seele Heimatklänge.
      Dort wo Frieden, Lust und Prangen,
      Glanz und Wollust uns umfangen.
      Sieh auf dem Kanal
      Im sonnigen Strahl
Die träumenden Schiffe gleiten.
      Dein kleinstes Begehr,
      Sie bringen es her
Von der Erde entlegensten Weiten.
      Den Fluss und das Land
      Umschlingt wie ein Band
Der Schimmer der sinkenden Sonne,
      In goldlila Glut
      Die Erde ruht,
Hinsterbend in glühender Wonne.
      Dort wo Frieden, Lust und Prangen,
      Glanz und Wollust uns umfangen.