Ada Christen

Champagner

I.

Ist dein Leben freudenleer -
   Trink' Champagner!
Ist das Herz von Gram dir schwer -
   Trink' Champagner!
Hast nicht Wunsch noch Thränen mehr -
   Trink' Champagner!
Trink' Champagner! Es bannt die Trauer
   Der leichte Franzose, der rosig glüht,
Jagt die sentimentalen Grillen
   Aus dem schweren deutschen Gemüth.

II.

Die lustigen Champagnergeister
   Die drehen sich jetzt im Kreis
Und mir im Kopfe summet
   Eine seltsam wirbelnde Weis'.

Sie glauben, daß ich trunken sei
   Und wollen mit mir spielen;
O hütet euch, im Rausche erst
   Erwachen die bösen Grillen.

Denn wenn ich oft recht toll gelacht,
   Gescherzt und mich heiser gesungen:
Hab' ich zu übertäuben gesucht
   Meine lauten Erinnerungen.

III.

»Wie Jener im Rausch noch denken kann?«
   Ihr meint wohl, daß die Gedanken,
So wie die schweren Füße
   Auch immer knicken und schwanken.

Mein Leben ist ein langer Rausch,
   Und weil ich dabei viel gedacht,
So hat mich das viele Denken
   Zuletzt noch nüchtern gemacht.