Ada Christen

Eine Nacht

Ich hab' einen schönen Traum geträumt
   In einer langen Nacht;
Da warst du gut und freundlich mit mir,
   Doch hat's mich traurig gemacht.

Du hieltest mich an die Brust gedrückt,
   Unser Athem hat sich vereint;
Ich habe dir leise die Hände geküßt
   Und leise dabei geweint.

Du legtest die Hände mir auf's Haupt
   Und sahst mich forschend an;
Ich aber weinte immer fort:
   Du hast mir Leides gethan.

»Und hab' ich dir auch Leides gethan,
   Vergiß es nur geschwind
Und weine nicht« - so sagtest du,
   »Mein armes verlorenes Kind!«

»Du sollst nicht mehr verlassen sein,
   Ich will dich hegen und pflegen,
Und weil du bald stirbst, so will ich
   Dich selber zur Ruhe legen.« -

Ich aber weinte immer fort
   In der langen bangen Nacht -
Und bin wieder einsam, verlassen
   Am Morgen aufgewacht.