Ada Christen

Auf dem Maskenballe

I.

Ei, wie schön du warst, als Laune,
   Wein und Lust im Aug’ dir glühte!
Wofür hältst du mich denn plötzlich,
   Daß du schwärmst jetzt von Gemüthe?

Lasse, Freund, doch die Komödie –
   Wir sind viel zu klug zum schwärmen,
Heut’ sich küssen, morgen scheiden,
   Gibt uns keinen Grund zum härmen.

Dort die kurzgeschürzten Weiber
   Mit den kecken Schellenmützen
Werden vor Gemüthsbewegung
   Und vor Trennungsschmerz dich schützen.

Diese flinken Ballerinen,
   Diese schönen nackten Sünden
Werden schwatzhaft, freundlich-boshaft
   Was ich war und bin dir künden.

Sieh’, ich schütz’ dich vor Enttäuschung;
   Um uns wogt und rauscht das Leben:
Was das Heute rasch dir bietet,
   Mag das Morgen nimmer geben.

II.

Du schaust mein Antlitz ohne Maske,
   Und doch verlässest du mich nicht;
So reizt dich noch das thränenblasse
   Verhärmte Leidensangesicht?

Du drängst dich auch zu dem Gelage,
   Das meiner Wiederkehr geweiht;
Du hörst es still und seltsam lächelnd,
   Wie Jeder meinen Namen schreit.

Du sprichst so ruhig mit den Männern,
   Die frech mir Mund und Arme küssen;
Du stimmst mit ein in die Toaste,
   Womit sie jauchzend mich begrüßen.

Was willst du mit den starren Blicken –
   Ist’s Spott, der mir entgegenschaut?
Laß ab von mir! Du bist ein Wesen,
   Vor dem mir bangt, vor dem mir graut!

III.

In deiner Stimme bebt ein Ton,
   Der Alles überklingt,
Und der mir wie ein schneidend Weh
   Zum tiefsten Herzen dringt.

Wie riß doch dieser eine Ton
   Mir auf die alten Wunden;
O daß ich nimmer ihn gehört
   Und nimmer dich gefunden!

O laß das Heut’ vergessen sein
   Und mich sammt meinen Scherzen;
Es sind ja doch die Schreie nur
   Der unheilbaren Schmerzen!