Ada Christen

Schatten

1.

Sind es Schatten ferner Zeiten,
Schatten schon aus Zukunftstagen,
Die durch meine Seele gleiten,
Die zu mir herüberragen?

Denn oft bluten alle Wunden,
Alle Sterne, sie erblassen –
Und ich kann in solchen Stunden
Nichts mehr lieben – nichts mehr hassen.

2.

Ihr ahnt nicht, wie der dumpfe Drang
   Die Seele mir zerrissen,
Und wie ich litt, ach, wie ich rang
   In Schmerz und Finsternissen –
Wie einst so bang, so qualvoll-bang
   Durch Hirn und Herz geklungen,
Was endlich sich als herber Sang
   Aus meiner Brust gerungen,
Wie ich erschreckt von diesem Klang,
   Mich schaudernd mußte fragen,
Ob ich's vermocht so stumm, so lang
   Mein klingend Weh' zu tragen.