Ada Christen

Gemein

I

Zuweilen dünkt Dich: reich bin ich ja doch,
   Denn immer hab' ich etwas noch zu geben,
Wer mir nur naht, er nimmt ein Stücklein noch
   Aus diesem armgeplündert-dunklen Leben.

Du schauest voll Bewunderung sie an,
   Die auszunützen Dich so wohl verstanden.
Noch sind sie höflich ... werden grob sie, dann
   Weißt Du, daß sie zu nehmen Nichts mehr fanden.

II

Immer fein nach der Schablone,
   Immer fein in dem Geleise!
Leg' zurecht Dir Schmerz und Wonne
   Nach der hergebrachten Weise.

Und kann nicht in alle Formen
   Dein vertracktes Wesen passen,
Widerstrebt es dir, mit Normen,
   Altgewohnt, dich zu befassen,

Ei, so lasse dich auch stutzen,
   Lasse dich ein wenig blenden;
Um die Form nicht zu beschmutzen,
   Laß den Inhalt lieber schänden.

Lasse langsam Dich dressiren
   Zu der Alltags-Kleingeld Phrase;
Lern' gleich Anderen brilliren
   Mit der hohlsten Seifenblase.

Deinen Ruhm an allen Orten
   Werden sie dann singen, sagen –
Aber was aus Dir geworden,
   Darfst Du selbst Dich niemals fragen.

III

Du kämpfest nutzlos gegen jene Macht,
   Die alle Worte nicht erschöpfend nennen,
Woran die Brust wir stets uns blutig rennen,
   Die unsre tiefsten Schmerzen frech verlacht.

Was liebevoll der Welt Du zugebracht,
   Wofür begeistert treue Herzen brennen,
Es scheitert doch ... Du wirst es noch erkennen
   An des Gemeinen ewig starker Macht.