Gustav Falke

Wie die Stakendorfer die Lübecker los wurden

Nach Stakendorf kamen die lübischen Herrn
Vor Zeiten alljährlich und kamen gern,
Zwangen die Bauern, den Zehnten zu zahlen,
Und zogen nach Haus mit Protzen und Prahlen.

Einst kamen sie wieder zur Fastnachtszeit
Und säckelten ein und machten sich breit,
Ließen im Gildehaus festlich sich ätzen
Und saßen glorios auf den Ehrenplätzen.

Die Bauern brauten ein gutes Bier.
Knausern sie gern, sie knausern nicht hier,
Sie lassen sich heute am wenigsten lumpen
Und füllen den durstigen Gästen die Humpen.

Bald glänzen die Backen, die Stirnen stehn
In Schweiß, kaum können die Äuglein noch sehn.
Hier sinkt ein Haupt, da lallt eine Zunge,
Dort keucht eine fette lübische Lunge.

Und immer werden die Humpen nicht leer,
Die Lübecker trinken und können nicht mehr,
Bald liegen sie alle, den Kopf auf den Armen
Und schlafen und schnarchen zum Erbarmen.

Da hat die Bauern der Teufel gezwickt,
Da haben die Bauern gebohrt und gewrickt,
Den Tisch und die nächsten Säulen durchlochten
Die tückischen Schelme, so schnell sie vermochten.

Die lübischen Bärte, wie hingen sie schlapp,
Die bübischen Bauern, sie sagten nicht papp,
Sie stopften sie all in die Löcher und schlugen
Zur Sicherheit noch einen Pflock in die Fugen.

Die Herren schlafen, kein Schlag weckt sie auf,
Die Herren schnarchen, ein Ratsherrngeschnauf!
Auf einmal da laufen die Bauern zusammen:
Zeter und Mord! Das Haus steht in Flammen.

Hei, kamen die Schläfer so schnell aus dem Traum,
Ein Zerren, ein Reißen, und leer war der Raum.
Nur die stattlichen Bärte alle
Blieben zurück in der elenden Falle. —

Seitdem, und wer verdenkt es den Herrn,
Hielten sie sich weislich fern.
Zwar haben sie fürchterlich Rache geschworen,
Doch ließ man die Bauern ungeschoren.

Frei vom Zehnten Stakendorf blieb,
Den Lübeckern war ihr Bart zu lieb.