Paul Gerhardt

Die Grablegung Christi

Als Gottes Lamm und Leue
Entschlafen und verschieden,
Erwacht in Lieb und Treue
Ein Paar recht frommer Jüden.
Die machten sich zum Kreuz hinzu,
Dich, o du unser ewge Ruh,
Zu deiner Ruh zu bringen.

Also weiß Gott die Seinen
Am Kreuz in Acht zu nehmen
Und, die es böse meinen,
Zu rechter Zeit zu zähmen.
Das Wüten nimmt zuletzt ein End,
Und wenn die Unschuld gnug geschändt,
So findt sich, der sie ehre.

Dann einer aus dem Rate,
Joseph, der fromme Reiche,
Der wagt es, ging und bate
Pilatum um die Leiche.
Pilatus war bereit und gab
Befehl, daß man sie nähm herab
Und Joseph übergäbe.

Gesegnet sei dein Wille,
Joseph, und dein Begehren,
Gott wolle dir die Fülle
Der Freuden dort gewähren,
Daß du, den meine Seele liebt,
Vom Kreuze, da man ihn betrübt,
So freudig losgebeten.

Hierzu hat sich auch funden
Des Nicodemi Treue,
Der bringt bei hundert Pfunden
Der besten Spezereie,
Die Myrrhen samt der Aloe
Zu salben den, der aus der Höh
Uns salbt mit seinem Geiste.

Da siehst du, wie die Schwachen
Zuletzt gestärket werden.
Gott kann zu Helden machen,
Was blöd ist hie auf Erden.
Der Glaube, der im Finstern lag,
Bricht endlich an den hellen Tag
Und leuchtet wie die Sonne.

Nun, diese beiden Frommen
Ergreifen mit viel Weinen
Den, der vom Kreuz genommen,
Und wickeln ihn in Leinen,
Verwahren ihn zugleich dabei
Mit edler teurer Spezerei,
Wie in Judäa bräuchlich.

So soll man Christum ehren,
Wann er nun liegt darnieder.
Wir sollen balsamieren
Ihn und sein arme Glieder,
Die Unbekleid'ten wickeln ein
Und die, so ganz verlassen sein,
Mit unsrer Hilf annehmen.

Es war nicht weit von hinnen,
Wo Christus starb, zu schauen
Ein Garten und darinnen
Des Josephs Grab, gehauen
Gar neu in einem Felsenstein,
Da legten ihren Schatz hinein
Die zwei geliebten Herzen.

Ach Jesu, dessen Schmerzen
Mir all mein Heil erworben,
Komm, ruh in meinem Herzen,
Das in der Sünd erstorben!
Laß dirs gefallen, ich will dir
Dein Grab bereiten in mir hier,
So leb und sterb ich selig.