Paul Gerhardt

Gott Vater, sende deinen Geist

Gott Vater, sende deinen Geist,
Den uns dein Sohn erbitten heißt,
Aus deines Himmels Höhen.
Wir bitten, wie er uns gelehrt:
Laß uns doch ja nicht unerhört
Von deinem Throne gehen!

Kein Menschenkind hier auf der Erd
Ist dieser edlen Gabe wert,
Bei uns ist kein Verdienen.
Hier gilt gar nichts als Lieb und Gnad,
Die Christus uns verdienet hat
Mit Büßen und Versühnen.

Es jammert deinen Vatersinn
Der große Jammer, da wir hin
Durch Adams Fall gefallen.
Durch dieses Fallen ist die Macht
Des bösen Geistes leider bracht
Auf ihn und auf uns allen.

Wir halten, Herr, an unserm Heil
Und sind gewiß, daß wir dein Teil
In Christo werden bleiben,
Die wir durch seinen Tod und Blut
Des Himmels Erb und höchstes Gut
Zu haben treulich gläuben.

Und das ist auch ein Gnadenwerk
Und deines heilgen Geistes Stärk,
In uns ist kein Vermögen.
Wie bald würd unser Glaub und Treu,
Herr, wo du uns nicht stündest bei,
Sich in die Aschen legen.

Dein Geist hält unsres Glaubens Licht,
Wenn alle Welt dawider ficht
Mit Sturm und vielen Waffen,
Und wenn auch gleich der Fürst der Welt
Selbst wider uns sich legt ins Feld,
So kann er doch nichts schaffen.

Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg,
Wo dieser hilft, da wird der Krieg
Gewißlich wohl ablaufen.
Was ist doch Satans Reich und Stand?
Wann Gottes Geist erhebt die Hand,
Fällt alles übern Haufen.

Er reißt der Höllen Band entzwei,
Er tröst't und macht das Herze frei,
Von allem, was uns kränket;
Wenn uns des Unglücks Wetter schreckt,
So ist ers, der uns schützt und deckt
Viel besser, als man denket.

Er macht das bittre Kreuze süß,
Ist unser Licht in Finsternis,
Führt uns als seine Schafe,
Hält über uns sein Schild und wacht,
Daß seine Herd in tiefer Nacht
Mit Ruh und Frieden schlafe.

Den Geist, den Gott vom Himmel gibt,
Der leitet alles, was ihn liebt,
Auf wohlgebahnten Wegen,
Er setzt und richtet unsern Fuß,
Daß er nicht anders treten muß,
Als wo man findt den Segen.

Er macht geschickt und rüstet aus
Die Diener, die des Herren Haus
In diesem Leben bauen;
Er ziert ihr Herz, Mund und Verstand,
Läßt ihnen, was uns unbekannt,
Zu unserm Besten schauen.

Er öffnet unsers Herzens Tor,
Wenn sie sein Wort in unser Ohr
Als edlen Samen streuen,
Er gibet Kraft demselben Wort,
Und wenn es fället, bringt ers fort
Und lässets wohl gedeihen.

Er lehret uns die Furcht des Herrn,
Liebt Reinigkeit und wohnet gern
In frommen keuschen Seelen.
Was niedrig ist, was Tugend ehrt,
Was Buße tut und sich bekehrt,
Das pflegt er zu erwählen.

Er ist und bleibet stets getreu,
Er steht uns auch im Tode bei,
Wenn alle Ding abstehen;
Er lindert unsre letzte Qual,
Läßt uns hindurch ins Himmels Saal
Getrost und fröhlich gehen.

O selig, wer in dieser Welt
Läßt diesem Gaste Haus und Zelt
In seiner Seel aufschlagen!
Wer ihn aufnimmt in dieser Zeit,
Den wird er dort zur ewgen Freud
In Gottes Hütte tragen.

Nun, Herr und Vater aller Güt,
Hör unsern Wunsch: Geuß ins Gemüt
Uns allen diese Gabe!
Gib deinen Geist, der uns allhier
Regiere und dort für und für
Im ewgen Leben labe!