Paul Gerhardt

Du Volk, das du getaufet bist – Nimms wohl in acht

Du Volk, das du getaufet bist
Und deinen Gott erkennest,
Auch nach dem Namen Jesu Christ
Dich und die Deinen nennest,
Nimms wohl in Acht und denke dran,
Wie viel dir Gutes sei getan
Am Tage deiner Taufe.

Du warst, noch eh du wurdst geborn
Und eh du Milch gesogen,
Verdammt, verstoßen und verlorn,
Darum daß du gezogen
Aus deiner Eltern Fleisch und Blut
Ein Art, die sich vom höchsten Gut,
Dem ewgen Gott, stets wendet.

Dein Leib und Seel war mit der Sünd
Als einem Gift durchkrochen,
Und du warst nicht mehr Gottes Kind,
Nachdem der Bund gebrochen,
Den unser Schöpfer aufgericht,
Da er uns seines Bildes Licht
Und herrlichs Kleid erteilet.

Der Zorn, der Fluch, der ewge Tod,
Und was in diesen allen
Enthalten ist für Angst und Not,
Das war auf dich gefallen;
Du warst des Satans Sklav und Knecht,
Der hielt dich fest nach seinem Recht
In seinem Reich gefangen.

Das alles hebt auf einmal auf
Und schlägt und drückt es nieder
Das Wasserbad der heilgen Tauf,
Ersetzt dagegen wieder,
Was Adam hat verderbt gemacht
Und was wir selbsten durchgebracht
Bei unserm bösen Wesen.

Es macht dies Bad von Sünden los
Und gibt die rechte Schöne.
Die Satans Kerker vor beschloß,
Die werden frei und Söhne
Des, der da trägt die höchste Kron;
Der läßt sie, was sein einger Sohn
Ererbt, auch mit ihm erben.

Was von Natur vermaledeit
Und mit dem Fluch umfangen,
Das wird hier in der Tauf erneut,
Den Segen zu erlangen.
Hier stirbt der Tod und würgt nicht mehr,
Hier bricht die Höll, und all ihr Heer
Muß uns zu Füßen liegen.

Hier ziehn wir Jesum Christum an
Und decken unsre Schanden
Mit dem, was er für uns getan
Und willig ausgestanden;
Hier wäscht uns sein hochteures Blut
Und macht uns heilig, fromm und gut
In seines Vaters Augen.

O großes Werk! O heilges Bad,
O Wasser, dessengleichen
Man in der ganzen Welt nicht hat,
Kein Sinn kann dich erreichen!
Du hast recht eine Wunderkraft,
Und die hat der, so alles schafft,
Dir durch sein Wort geschenket.

Du bist kein schlichtes Wasser nicht,
Wies unsre Brunnen geben:
Was Gott mit seinem Munde spricht,
Das hast du in dir leben.
Du bist ein Wasser, das den Geist
Des Allerhöchsten in sich schleußt
Und seinen großen Namen.

Das halt, o Mensch, in allem wert
Und danke für die Gaben,
Die dein Gott dir darin beschert
Und die uns alle laben,
Wenn nichts mehr sonst uns laben will,
Die laß, bis daß des Todes Ziel
Dich trifft, nicht ungepreiset.

Brauch alles wohl, und weil du bist
Nun rein in Christo worden,
So leb und tu auch als ein Christ
Und halte Christi Orden,
Bis daß dort in der ewgen Freud
Er dir das Ehr- und Freudenkleid
Um deine Seele lege!