Paul Gerhardt

Herr Jesu, meine Liebe

Herr Jesu, meine Liebe,
Ich hätte nimmer Ruh und Rast,
Wo nicht fest in mir bliebe
Was du für mich geleistet hast;
Es müßt in meinen Sünden,
Die sich sehr hoch erhöhn,
All meine Kraft verschwinden
Und wie ein Rauch vergehn,
Wenn sich mein Herz nicht hielte.
Zu dir und deinem Tod,
Und ich nicht stets mich kühlte
An deines Leidens Not.

Nun weißt du meine Plagen
Und Satans, meines Feindes, List.
Wenn meinen Geist zu nagen,
Er emsig und bemühet ist,
Da hat er tausend Künste,
Von dir mich abzuziehn:
Bald treibt er mir die Dünste
Des Zweifels in den Sinn,
Bald nimmt er mir dein Meinen
Und Wollen aus der Acht
Und lehrt mich ganz verneinen,
Was du doch fest gemacht.

Solch Unheil abzuweisen,
Hast du, Herr, deinen Tisch gesetzt,
Da lässest du mich speisen,
So daß sich Mark und Bein ergötzt.
Du reichst mir zu genießen
Dein teures Fleisch und Blut
Und lässet Worte fließen,
Da all mein Herz auf ruht.
Komm, sprichst du, komm und nahe
Dich ungescheut zu mir,
Was ich dir geb, empfahe
Und nimms getrost zu dir.

Hier ist beim Brot vorhanden
Mein Leib, der dargegeben wird
Zum Tod- und Kreuzesbanden
Für dich, der sich von mir verirrt.
Beim Wein ist, was geflossen
Zu Tilgung deiner Schuld,
Mein Blut, das ich vergossen
In Sanftmut und Geduld.
Nimms beides mit dem Munde
Und denk auch mit darbei,
Wie fromm im Herzensgrunde
Ich, dein Erlöser, sei.

Herr, ich will dein gedenken,
So lang ich Luft und Leben hab,
Und bis man mich wird senken
An meinem End ins finstre Grab.
Ich sehe dein Verlangen
Nach einem ewgen Heil,
Am Holz bist du gehangen
Und hast so manchen Pfeil
Des Trübsals lassen dringen
In dein unschuldigs Herz,
Auf daß ich möcht entspringen
Des Todes Pein und Schmerz.

So hast du auch befohlen,
Daß, was den Glauben stärken kann,
Ich bei dir solle holen,
Und soll doch ja nicht zweifeln dran,
Du habst für alle Sünden,
Die in der ganzen Welt
Bei Menschen je zu finden,
Ein völligs Lösegeld
Und Opfer, das bestehet
Vor dem, der alles trägt,
In dem auch alles gehet,
Bezahlet und erlegt.

Und daß ja mein Gedanke,
Der voller Falschheit und Betrug,
Nicht im geringsten wanke,
Als wär es dir nicht Ernst genug:
So neigst du dein Gemüte
Zusamt der rechten Hand
Und gibst mit großer Güte
Mir das hochwerte Pfand
Zu essen und zu trinken.
Ist das nicht Trost und Licht
Dem, der sich läßt bedünken,
Du wollest seiner nicht?

Ach Herr, du willst uns alle,
Das sagt uns unser Herze zu,
Die, so der Feind zu Falle
Gebracht, rufst du zu deiner Ruh.
Ach hilf, Herr, hilf uns eilen
Zu dir, der jederzeit
Uns allesamt zu heilen
Geneigt ist und bereit!
Gib Lust und heilges Dürsten
Nach deinem Abendmahl,
Und dort mach uns zu Fürsten
Im güldnen Himmelssaal.