Paul Gerhardt

Nun ist der Regen hin

Danklied vor einem gnädigen Sonnenschein

Nun ist der Regen hin;
Wohlauf, mein Herz und Sinn,
Sing nach betrübtem Leiden
Gott, deinem Herrn, mit Freuden!
Gott hat sein Herz gekehret
Und unser Bitt erhöret.

Sein Zorn war sehr entbrannt
Auf uns und unser Land;
Er sprach: Ihr Menschenkinder,
Geht, seid und bleibet Sünder,
Wollt von der Bosheit Straßen
Euch gar nicht wenden lassen.

Drum soll mein Himmelslicht
Sein klares Angesicht
In schwarze trübe Decken
Und dunkle Wolken stecken
Und für das helle Scheinen
Nur immer zu euch weinen.

Bald aber fiel sein Grimm
Durch unsers Seufzens Stimm;
Das ewige Gemüte
Dacht an sein ewge Güte
Und ließ auf unser Schreien
Ihm seinen Zorn gereuen.

Die Wolken flohen weg,
Der feuchten Winde Steg,
Daher die Wasser flossen,
Nahm ab und ward verschlossen;
Des hohen Himmels Tiefen,
Die hörten auf zu triefen.

Steh auf, du mattes Feld,
Aus deinem Trauerzelt,
Steh auf und laß nun wieder
Die süßen Sommerlieder
Zu deines Schöpfers Ehren
Mit Lust und Freuden hören.

Sie hie, der Sonnen Zier
Geht wieder schön herfür,
Bringt nach dem Schlag und Regen
Den lieben warmen Segen
Und wirkt auf Berg und Talen
Mit wunderlichen Strahlen.

Die Erde wird erquickt,
Und was durch Näß erstickt,
Das wird nun wieder leben
Und reife Früchte geben:
Die Äcker gut Getreide,
Die Wiesen Gras und Weide.

Die Bäume werden schön
In ihrer Fülle stehn,
Die Berge werden fließen
Und Wein und Öle gießen,
Das Bienlein wird wohl tragen
Bei guten warmen Tagen.

Davon wird unser Teil
Das ewge Gut und Heil
Uns allensamt zumessen,
Wir werdens sehn und essen
Und mit dem Gut der Erden
Zur Gnüg ersättigt werden.

Nun, Gott ist fromm und treu,
Sein Huld ist immer neu
Und läßt sich leicht versühnen,
Gibt, was wir nicht verdienen,
Läßt gnädiglich sich finden
Und nicht nach unsern Sünden.

Darum so richte nun,
O Mensch, auch du dein Tun
Zu Gottes Lob und Liebe,
Daß dein Herz nicht betrübe
Mit mehrem Zorn und Schmerze
Das allerfrömmste Herze.