Paul Gerhardt

Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus

Nun geht frisch drauf, es geht nach Haus,
Ihr Rößlein, regt die Bein;
Ich will dem, der uns ein und aus
Begleitet, dankbar sein.

Ich will ihm singen Lob und Preis,
So viel ich singen kann,
Ich will sein Werk, so gut ichs weiß,
Mit Freuden zeigen an.

Es ist fürwahr nicht Menschenkunst,
Auf sichern Wegen gehn,
Führt uns nicht Gott und Gottes Gunst,
Würds oftmals seltsam stehn.

Wie manches Leid, wie manche Not,
Wie manches Jammerheer
Brächt uns in Angst, tät uns den Tod,
Wo Gott nicht bei uns wär.

Wie mancher Feind, wie mancher Dieb,
Wo ihn nicht Gott gerührt,
Hätt uns das Unsre, das uns lieb,
Genommen und entführt.

Wie mancher böser schwarzer Geist
Hätt unser Leib und Seel,
Wo uns der Herr nicht Gnad erweist,
Erschreckt aus seiner Höhl.

Es ist der alte große Drach
Doch allzeit ohne Ruh,
Wohin wir gehn, da geht er nach
Und setzt uns heftig zu.

Er sucht zu Haus, er sucht zu Feld,
Er sucht zur See und Land,
Er sucht uns in der ganzen Welt
Mit unverdroßner Hand.

Noch dennoch trifft er uns nicht an,
Sein Anschlag geht zurück,
Denn Gottes Schutz hegt unsre Bahn
Für unsres Feindes Tück.

Es zeucht der heilgen Engel Schar,
Mit Waffen ausgerüst,
Und wehren fleißig hie und dar
Des Tausendkünstlers List.

Es müssen ja noch immerfort
Die Mahanaim gehn
Und Gottes Volk auf Gottes Wort
Zu Dienst und Willen stehn.

Wenn Gott mir meiner Augen Licht
Mit Licht erfüllen wollt,
Als wie dem Jakob, der sich nicht
Für Esau fürchten sollt:

Ach, was für Wunder würd ich hier
Auf meinen Reisen sehn,
Wie schön, wie lieblich würde mir
In solchem Sehn geschehn.

Nun, was den Augen nicht vergunnt,
Das sieht mein Herz und Geist,
Dem Gott der heilgen Weisheit Grund
In seinem Geiste weist.

Es ist sein Wort, er hats gesagt:
Sein Heervolk sei bereit,
Uns zu umlagern, wenn uns plagt
Des Satans Neid und Streit.

Was Gott geredt, das ist vollbracht,
Mein Herz, sei wohlgemut
Und laß ja nimmer aus der Acht,
Was dein Gott an dir tut.

Du siehst und greifst, wie gut er sei
Dem, der ihn ehrt und liebt,
Er ziert mit Lieb, er führt mit Treu
Ein Herz, das ihm sich gibt.

Er trägt uns, wie (wenn einher schlägt
Blitz, Hagel, Sturm und Wind)
Ein treuer frommer Vater trägt
Sein kleines zartes Kind.

Er deckt uns zu mit seiner Hand,
Wie eine Mutter tut,
In derer Schoß das süßte Pfand
Der keuschen Liebe ruht.

Er räumt aus unsern Wegen weg
Des Unglücks scharfen Stein
Und schafft, daß unsre Bahn und Steg
Fein schlicht und eben sein.

Er führt uns über Berg und Tal,
Und wenns nun rechte Zeit,
So führt er uns in seinen Saal
Zur ewgen Himmelsfreud.

Alsdann werd ich die letzte Reis
Und schönste Heimfahrt tun
Und nach dem sauren Erdenschweiß
In süßer Stille ruhn.