Paul Gerhardt

Der 121. Psalm

Ich erhebe, Herr, zu dir
Meiner beiden Augen Licht,
Mein Gesicht ist für und für
Zu den Bergen aufgericht't,
Zu den Bergen, da herab
Ich mein Heil und Hilfe hab.

Meine Hilfe kommt allein
Von des Höchsten Händen her,
Der so künstlich, hübsch und fein
Himmel, Erde, Luft und Meer,
Und was in den allen ist,
Uns zum Besten ausgerüst't.

Er nimmt deiner Füße Tritt,
O mein Herze, wohl in Acht,
Wenn du gehest, geht er mit
Und bewahrt dich Tag und Nacht.
Sei getrost! Das Höllenheer
Wird dir schaden nimmermehr.

Siehe, wie sein Auge wacht,
Wenn du liegest in der Ruh,
Wenn du schläfest, kommt mit Macht
Auf dein Bett geflogen zu
Seiner Engel güldne Schar,
Daß sie deiner nehmen wahr.

Alles was du bist und hast,
Ist umringt mit seiner Hut,
Deiner Sorgen schwere Last
Nimmt er weg, macht alles gut;
Leib und Seel hält er verdeckt,
Wenn dich Sturm und Wetter schreckt.

Wenn der Sonnen Hitze brennt
Und des Leibes Kräfte bricht,
Wenn dich Stern und Monde blendt
Mit dem klaren Angesicht,
Hat er seine starke Hand
Dir zum Schatten vorgewandt.

Nun, er fahre immer fort,
Der getreue fromme Hirt,
Bleibe stets dein Schild und Hort,
Wenn dein Herz geängstet wird;
Wenn die Not wird viel und groß,
Schließt er dich in seinen Schoß.

Wenn du sitzest, wenn du stehst,
Wenn du redest, wenn du hörst,
Wenn du aus dem Hause gehst
Und zurücke wieder kehrst,
Wenn du trittst aus oder ein,
Woll er dein Gefährte sein.