Paul Gerhardt

Ich danke dir demütiglich

Nach Johann Arnds »Paradiesgärtlein«, Goslar 1621, III, 17: »Gebet um zeitliche und ewige Wohlfahrt«

Ich danke dir demütiglich,
O Gott, mein Vater, daß du dich
Von deinem Zorn gewendet
Und deinen Sohn
Zur Freud und Kron
Uns in die Welt gesendet.

Er ist gekommen, hat sein Blut
Vergossen und in solcher Flut
All unser Sünd ersticket.
Wer ihn nur faßt,
Wird aller Last
Benommen und erquicket.

Ich bitte, was ich bitten kann,
Herzlieber Vater, nimm mich an
In diesen edlen Orden,
Der durch dies Blut
Gerecht und gut
Und ewig selig worden.

Laß meines Glaubens Aug und Hand
Ergreifen dieses werte Pfand
Und nimmermehr verlieren;
Laß dieses Licht
Mein Angesicht
Zum ewgen Lichte führen!

Bereite meiner Seelen Haus,
Wirf allen Kot und Unflat aus,
Bau in mir deine Hütte,
Daß deine Güt
In mein Gemüt
All ihre Lieb ausschütte!

Wann ich dich hab, ist alles mein;
Du kannst nicht ohne Gaben sein,
Hast tausend Weg und Weisen,
Dein arme Herd
Auf dieser Erd
Zu nähren und zu speisen.

Gib mir, daß ich an meinem Ort
Allstets dich fürcht in deinem Wort
Und meinen Stand so führe,
Daß Glaub und Treu
Stets bei mir sei
Und all mein Leben ziere!

Gib nur ein gnügsam Herz und Sinn!
Denn das ist ja ein großer Gwinn,
In steter Andacht liegen
Und, wenn Gott gibt
Was ihm beliebt,
Ihm lassen gern genügen.

Das Wen'ge, das durch Gottes Hand
Ein Frommer und Gerechter hat,
Ist vielmal mehr geehret
Als alles Geld,
Davon die Welt
Mit frechem Herzen zehret.

Die Frommen sind dir, Herr, bewußt;
Du bist ihr und sie deine Lust
Und werden nicht zuschanden,
Kommt teure Zeit,
Findt sich bereit
Ihr Brot in allen Landen.

Gott hat den, der ihn fürchtet, lieb,
Sieht zu, daß ihn kein Unfall trüb,
Hat Lust zu seinen Wegen;
Und wenn er fällt,
Steht Gott und hält
Ihn fest in seinem Segen.

Des Höchsten Auge sieht auf die,
So auf ihn hoffen spat und früh,
Daß er sie schütz und rette
Aus aller Not,
Wann sie der Tod
Auch selbst verschlungen hätte.

Herr, du kannst nichts als Güte sein,
Du wollest deiner Güte Schein
Uns und all denen gönnen,
Die sich mit Mund
Und Herzensgrund
Allein zu dir bekennen!

Insonderheit nimm wohl in Acht
Den Fürsten, den du uns gemacht
Zu unsers Landes Krone,
Laß immerzu
Sein Fried und Ruh
Auf seinem Stuhl und Throne.

Halt unser liebes Vaterland
In deinem Schoß und starker Hand!
Behüt uns allzusammen
Vor falscher Lehr
Und Feindes Heer,
Vor Pest und Feuersflammen.

Nimm all der Meinen eben wahr,
Treib, Herr, die böse Höllenschar
Von Jungen und von Alten,
Daß deine Herd
Hie zeitlich werd
Und ewig dort erhalten.