Paul Gerhardt

Der 85. Psalm

Herr, der du vormals hast dein Land
Mit Gnaden angeblicket,
Und des gefangnen Jakobs Band
Gelöst und ihn erquicket,
Der du die Sünd und Missetat,
Die dein Volk vor begangen hat,
Hast väterlich verziehen,

Herr, der du deines Eifers Glut
Zuvor oft abgewendet
Und nach dem Zorn das süße Gut
Der Lieb und Huld gesendet,
Ach, frommes Herz, ach unser Heil,
Nimm weg und heb auf in der Eil,
Was uns betrübt und kränket!

Lösch aus, Herr, deinen großen Grimm
Im Brunnen deiner Gnaden,
Erfreu und tröst uns wiederüm
Nach ausgestandnem Schaden!
Willst du denn zürnen ewiglich,
Und sollen deine Fluten sich
Ohn alles End ergießen?

Willst du, o Vater, uns denn nicht
Nun einmal wieder laben?
Und sollen wir an deinem Licht
Nicht wieder Freude haben?
Ach geuß aus deines Himmels Haus,
Herr, deine Güt und Segen aus
Auf uns und unsre Häuser!

Ach, daß ich hören sollt das Wort
Erschallen bald auf Erden,
Daß Friede sollt an allem Ort,
Wo Christen wohnen, werden!
Ach, daß uns doch Gott sagte zu
Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh
Und alles Unglücks Ende.

Ach, daß doch diese böse Zeit
Sich stellt in guten Tagen,
Damit wir in dem großen Leid
Nicht mögen ganz verzagen;
Doch ist ja Gottes Hilfe nah
Und seine Gnade stehet da
All denen, die ihn fürchten.

Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott
Schon wieder zu uns wenden,
Den Krieg und alle andre Not
Nach Wunsch und also enden,
Daß seine Ehr in unserm Land
Und über alle werd erkannt,
Ja stetig bei uns wohne.

Die Güt und Treue werden schön
Einander grüßen müssen;
Gerechtigkeit wird einher gehn,
Und Friede wird sie küssen;
Die Treue wird mit Lust und Freud
Auf Erden blühn, Gerechtigkeit
Wird von dem Himmel schauen.

Der Herr wird uns viel Gutes tun,
Das Land wird Früchte geben,
Und die in seinem Schoße ruhn,
Die werden davon leben.
Gerechtigkeit wird dennoch stehn
Und stets in vollem Schwange gehn
Zur Ehre seines Namens.