Paul Gerhardt

Ich habs verdient, was will ich doch mich wider Gott viel sperren?

(Micha 7)

Ich habs verdient, was will ich doch
Mich wider Gott viel sperren?
Komm immer her, du Kreuzesjoch
Und bittrer Kelch des Herren!
Ohn Angst und Pein
Mag der nicht sein,
Der wider Gott gehandelt,
Wie ich getan,
Da ich die Bahn
Der schnöden Welt gewandelt.

Ich will des Herren Straf und Zorn
Mit willgem Herzen tragen,
In Sünden bin ich ja geborn,
Hab auch im Sündenwagen
Mit eitler Freud
Oft meine Zeit
Ganz liederlich verzehret,
Gott, meinen Hort,
In seinem Wort
Nicht, wie ich soll, gehöret.

Ich habe den gebahnten Steg
Verlassen und geliebet
Den gottvergessnen Irreweg;
Drum wird auch nun betrübet
Mein Herz und Mut
Durch Gottes Rut;
Er hält ein recht Gerichte
Vor seinem Thron,
Gibt Sold und Lohn
Mit völligem Gewichte.

Gott ist gerecht, doch auch dabei
Sehr fromm und voller Güte,
Die Vaterlieb und Muttertreu,
Die wohnt ihm im Gemüte.
Gott zürnet nicht,
Wie wohl geschicht
Bei uns hier auf der Erden,
Da mancher Mann
Nicht wieder kann
Zur Sühn erweichet werden.

Nein, traun! Das ist nicht Gottes Sinn,
Sein Zorn der hat ein Ende,
Wann wir uns bessern, fällt er hin
Und macht die strengen Hände
Sanft und gelind,
Hört auf, die Sünd
Hier bei uns heimzusuchen;
Gott kehrt den Grimm
Mit Gnaden üm
Und segnet nach dem Fluchen.

Das wird fürwahr auch mir geschehn!
Es solls ein jeder spüren.
Gott wird einmal zum Rechten sehn
Und meine Sach ausführen.
Sein Angesicht
Wird mich ans Licht
Aus meiner Höhle bringen,
Daß seine Treu
Ich frisch und frei
Erzählen mög und singen.

Drum freut euch nicht, ihr meine Feind,
Ob ich darniederliege,
Denn mein Gott wird, eh ihr vermeint,
Mir helfen, daß ich siege.
Sein heilge Hand
Wird meinen Stand
Schon wieder feste gründen;
Es wird sich Freud
Und gute Zeit
Nach trübem Wetter finden.

Ich bin in Not und weiß doch nicht
Von rechter Not zu sagen,
Denn Gott ist meines Herzens Licht;
Wo das ist, muß es tagen
Auch in der Nacht,
Da sich die Macht
Der Finsternis vermehret.
Wann dieses Licht
Mir scheint, so bricht
Und fällt, was mich beschweret.

Es kommt die Zeit und ist nicht weit,
Da will ich jubilieren;
Der aber, der mich jetzt verspeit
Und pfleget zu vexieren
In meiner Not:
Wo ist dein Gott?
Der wird mit Schanden stehen;
Er wird mit Hohn,
Ich mit der Kron
Der Ehren davon gehen.