Paul Gerhardt

Dankgebet in Kriegszeiten

Wie ist so groß und schwer die Last,
Die du uns aufgeleget hast,
O aller Götter Gott!
Gott, der du streng und eifrig bist
Dem, der nicht fromm und heilig ist.

Die Last, die ist die Kriegesflut,
So jetzt die Welt mit rotem Blut
Und heißen Tränen füllt;
Es ist das Feur, das hitzt und brennt,
So weit fast Sonn und Mond sich wendt.

Groß ist die Last, doch ist dabei
Dein starker Schutz und Vatertreu
Uns gar nicht unbekannt;
Du strafst, und mitten in dem Leid
Erzeigst du Lieb und Freundlichkeit.

Wir unsers Teils sind dir verpflicht't
Dafür, daß du dein Heil und Licht
Uns niemals ganz versagt;
Viel andre hast du abgelohnt,
Uns hast du ja noch oft verschont.

Wie manchmal hat sich hier und dar
Ein großes Wetter der Gefahr
Um uns gezogen auf;
Dein Hand, die Erd und Himmel trägt,
Hat Sturm und Wetter beigelegt.

Wie oftmals hat bei Tag und Nacht
Der Feinde List und große Macht
Uns, deine Herd, umringt;
Du aber, o du treuer Hirt
Hast unsern Wolf zurückgeführt.

Viel unsrer Brüder sind geplagt,
Von Haus und Hof dazu verjagt;
Wir aber haben noch
Beim Weinstock und beim Feigenbaum
Ein jeder seinen Sitz und Raum.

Sieh an, mein Herz, wie Stadt und Land
An vielen Orten ist gewandt
Zum tiefen Untergang;
Der Menschen Hütten sind verstört,
Die Gotteshäuser umgekehrt.

Bei uns ist ja noch Polizei,
Auch leisten wir noch ohne Scheu
Dem Herren seinen Dienst;
Man lehrt und hört ja fort und fort
Alltäglich bei uns Gottes Wort.

Wer dieses nun will nicht verstehn,
Läßts in die Luft und Winde gehn
Und bei so hellem Licht
Nicht Gottes Gnad und Güt erkennt,
Der ist fürwahr durchaus verblendt.

O frommer Gott, nimm von uns hin
Solch Unvernunft, richt unsern Sinn,
Daß wir zur Dankbarkeit
Mit Lobgesang und süßem Ton
Uns finden stets vor deinem Thron.

Nicht unserm Werk, nicht unserm Tun,
Allein dir, dir, o Gnadenbrunn,
Gebührt all Ehr und Ruhm.
Wir haben Zorn und Tod verschuldt,
Du zahlest uns mit Lieb und Huld.

Laß diese Lieb, als eine Glut,
In uns entzünden Herz und Mut,
Gib engelische Brunst,
Daß alle unsre Äderlein
Zu singen dir bereitet sein.

Laß auch einmal nach so viel Leid
Uns wieder scheinen unsre Freud,
Des Friedens Angesicht,
Das mancher Mensch noch nie einmal
Geschaut in diesem Jammertal.

Sind wirs nicht wert, so sieh doch an
Die, so kein Unrecht je getan,
Die kleinen Kinderlein;
Solln sie denn in der Wiegen noch
Mittragen solches schweres Joch?

Erbarm dich, o barmherzigs Herz,
So vieler Seufzer, die der Schmerz
Uns aus dem Herzen zwingt.
Du bist ja Gott und nicht ein Stein,
Wie kannst du denn so harte sein?

Wir sind an bösen Wunden krank,
Voll Eiter, Striemen, Kot und Stank,
Du Herr bist unser Arzt!
Geuß ein, geuß ein dein Gnadenöl,
So wird geheilet Leib und Seel.

Nun, du wirsts tun, das glauben wir,
Obgleich noch wenig scheinen für
Die Mittel in der Welt.
Wenn alle Mittel stille stehn,
Dann pflegt dein Helfen anzugehn.