Paul Gerhardt

Ich singe dir mit Herz und Mund

Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust,
Ich sing und mach auf Erden kund,
Was mir von dir bewußt.

Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad
Und ewge Quelle seist,
Daraus uns allen früh und spat
Viel Heil und Gutes fleußt.

Was sind wir doch? was haben wir
Auf dieser ganzen Erd,
Das uns, o Vater, nicht von dir
Allein gegeben werd?

Wer hat das schöne Himmelszelt
Hoch über uns gesetzt?
Wer ist es, der uns unser Feld
Mit Tau und Regen netzt?

Wer wärmet uns in Kält und Frost?
Wer schützt uns vor dem Wind?
Wer macht es, daß man Öl und Most
Zu seinen Zeiten findt?

Wer gibt uns Leben und Geblüt?
Wer hält mit seiner Hand
Den güldnen, werten, edlen Fried
In unserm Vaterland?

Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir!
Du, du mußt alles tun,
Du hältst die Wacht an unsrer Tür
Und läßt uns sicher ruhn.

Du nährest uns von Jahr zu Jahr,
Bleibst immer fromm und treu
Und stehst uns, wann wir in Gefahr
Geraten, treulich bei.

Du strafst uns Sünder mit Geduld
Und schlägst nicht allzu sehr,
Ja endlich nimmst du unsre Schuld
Und wirfst sie in das Meer.

Wann unser Herze seufzt und schreit,
Wirst du gar leicht erweicht,
Und gibst uns, was uns hoch erfreut
Und dir zu Ehren reicht.

Du zählst, wie oft ein Christe wein
Und was sein Kummer sei,
Kein Zähr- und Tränlein ist so klein,
Du hebst und legst es bei.

Du füllst des Lebens Mangel aus
Mit dem, was ewig steht,
Und führst uns in das Himmelshaus,
Wann uns die Erd entgeht.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring
Und habe guten Mut,
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
Ist selbst und bleibt dein Gut.

Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil,
Dein Glanz und Freudenlicht,
Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil,
Schafft Rat und läßt dich nicht.

Was kränkst du dich in deinem Sinn
Und grämst dich Tag und Nacht?
Nimm deine Sorg und wirf sie hin
Auf den, der dich gemacht!

Hat er dich nicht von Jugend auf
Versorget und ernährt?
Wie manches schweren Unglücks Lauf
Hat er zurückgekehrt!

Er hat noch niemals was versehn
In seinem Regiment,
Nein, was er tut und läßt geschehn,
Das nimmt ein gutes End.

Ei nun, so laß ihn ferner tun
Und red ihm nicht darein,
So wirst du hier im Frieden ruhn
Und ewig fröhlich sein.