Paul Gerhardt

Der 23. Psalm

Der Herr, der aller Enden
Regiert mit seinen Händen,
Der Brunn der ewgen Güter,
Der ist mein Hirt und Hüter.

So lang ich diesen habe,
Fehlt mirs an keiner Gabe,
Der Reichtum seiner Fülle
Gibt mir die Füll und Hülle.

Er lässet mich mit Freuden
Auf grüner Aue weiden,
Führt mich zu frischen Quellen,
Schafft Rat in schweren Fällen.

Wann meine Seele zaget
Und sich mit Sorgen plaget,
Weiß er sie zu erquicken,
Aus aller Not zu rücken.

Er lehrt mich tun und lassen,
Führt mich auf rechter Straßen,
Läßt Furcht und Angst sich stillen
Um seines Namens willen.

Und ob ich gleich vor andern
Im finstern Tal muß wandern,
Fürcht ich doch keine Tücke,
Bin frei vom Ungelücke.

Denn du stehst mir zur Seiten,
Schützst mich vor bösen Leuten,
Dein Stab, Herr, und dein Stecken
Benimmt mir all mein Schrecken.

Du setzest mich zu Tische,
Machst, daß ich mich erfrische,
Wann mir mein Feind viel Schmerzen
Erweckt in meinem Herzen.

Du salbst mein Haupt mit Öle
Und füllest meine Seele,
Die leer und durstig saße,
Mit vollgeschenktem Maße.

Barmherzigkeit und Gutes
Wird mein Herz gutes Mutes,
Voll Lust, voll Freud, voll Lachen,
So lang ich lebe, machen.

Ich will dein Diener bleiben
Und dein Lob herrlich treiben
Im Hause, da du wohnest
Und Frommsein wohl belohnest.

Ich will dich hier auf Erden
Und dort, da wir dich werden
Selbst schaun, im Himmel droben
Hoch rühmen, singn und loben.