Paul Gerhardt

Der 111. Psalm

Ich will mit Danken kommen
In den gemeinen Rat
Der rechten wahren Frommen,
Die Gottes Rat und Tat
Mit süßem Lohn erhöhn;
Zu denen will ich treten,
Und soll mein Dank und Beten
Von ganzem Herzen gehn.

Groß ist der Herr und mächtig,
Groß ist auch, was er macht.
Wer aufmerkt und andächtig
Nimmt seine Werk in Acht,
Hat eitel Lust daran.
Was seine Weisheit setzet
Und ordnet, das ergötzet
Und ist sehr wohl getan.

Sein Heil und große Güte
Steht fest und unbewegt,
Damit auch dem Gemüte,
Das uns im Herzen schlägt,
Dieselbe nicht entweich,
Hat er zum Glaubenszunder
Ein Denkmal seiner Wunder
Gestift't in seinem Reich.

Gott ist voll Gnad und Gaben,
Gibt Speis aus milder Hand,
Die Seinen wohl zu laben,
Die ihm allein bekannt;
Denkt stets an seinen Bund,
Gibt denen, die er weiden
Will mit dem Erb' der Heiden,
All seine Taten kund.

Das Wirken seiner Hände
Und was er uns gebeut,
Das hat ein gutes Ende,
Bringt reichen Trost und Freud
Und Wahrheit, die nicht treugt.
Gott leitet seine Knechte
In dem rechtschaffnen Rechte,
Das sich zum Leben neigt.

Sein Herz läßt ihm nicht reuen,
Was uns sein Mund verspricht,
Gibt redlich und mit Treuen,
Was unser Unglück bricht;
Ist freudig, unverzagt,
Uns alle zu erlösen
Vom Kreuz und allem Bösen,
Das seine Kinder plagt.

Sein Wort ist wohl gegründet,
Sein Mund ist rein und klar,
Wozu er sich verbindet,
Das macht er fest und wahr
Und wird ihm gar nicht schwer.
Seine Name, den er führet,
Ist heilig und gezieret
Mit großer Pracht und Ehr.

Die Furcht des Herren gibet
Den ersten besten Grund
Zur Weisheit, die Gott liebet
Und rühmt mit seinem Mund.
O, wie klug ist der Sinn,
Der diesen Weg verstehet
Und fleißig darauf gehet!
Des Lob fällt nimmer hin.