Paul Gerhardt

Nun, du lebest, unsre Krone

Auf den Tod des Hofkammergerichtsrats Petrus Fritzen (1650)

Nun, du lebest, unsre Krone,
In der süßen sanften Ruh,
Bringst die Zeit bei Gottes Throne
Ohne Zeit und Ende zu!
Du hast ewge Freud und Zier,
Und wir sollten für und für
Uns mit unsern Tränen kränken?
Auf! Und laßt uns recht bedenken!

Freunden soll man Freuden gönnen
Lachen, wenn sie fröhlich sein!
Tränen laß zu der Zeit rinnen,
Wenn sie liegen in der Pein;
Aber wenn der Sieg erlangt
Und der Held im Kranze prangt,
Wenn das Herzleid weggeschlagen,
Legt sich billig Schmerz und Klagen.

Edles Herz, du hast bezwungen
Alles, was dir widrig war:
Alle Schmerzen, die sich drungen
In dein Herz mit großer Schar;
Allen Jammer, alle Müh,
Alle Sorgen, die dich früh,
Auch oft bei den späten Nachten
Voller Angst und Wehmut machten.

Gott weiß wohl, was wir vermögen
Und wie stark die Schulter sei,
Da er will sein Kreuz hinlegen;
Dessen Huld und Vatertreu
Hat auch dir die schwere Last,
Die du ausgestanden hast,
Über dein Haupt lassen gehen.
Wer viel kann, muß viel ausstehen.

Wärst du einer aus dem Orden,
Denen Herz und Mund entfällt,
Wenn sie nur berühret worden
Von des rauhen Unglücks Kält,
Ei, so würde nimmermehr
Ein so großes Jammerheer
Gott, der Geber aller Gaben,
Über dich verhänget haben.

Freue dich, Du hast gewonnen
Durch des Höchsten Stärk und Kraft;
Jetzo gehst du, gleich der Sonnen,
Mitten in der Bürgerschaft
Der sehr schönen neuen Stadt,
Die uns Gott gebauet hat,
Springst und singst und holest wieder
Mit den Engeln süße Lieder.

Christus wischet selbst die Tränen
Dir von deinem Angesicht;
Dein Herz hört auf, sich zu sehnen,
Weiß von keinem Mangel nicht,
Ohne daß du, die du hier
Hast gelassen hinter dir,
Auch in solchem Freudenleben
Balde möchtest sehen schweben.

Nun, wir werden balde kommen
Aus dem Leide zu der Freud
Und dich mit viel tausend Frommen
Schauen in der Seligkeit!
O wie herrlich! O wie schön
Wirst du und wir mit dir gehn,
Wenn uns wird, anstatt der Erden,
Gottes Reich zu Teile werden.