Paul Gerhardt

Nun sei getrost und unbetrübt

Auf den Tod der Regina Leyser, geb. Calow, in Wittenberg (1664)

Nun sei getrost und unbetrübt,
Du mein Geist und Gemüte!
Dein Jesus lebt, der dich geliebt
Eh, als dir dein Geblüte
Und Fleisch und Haut ward zugericht;
Der wird dich auch gewißlich nicht
An deinem Ende hassen.

Erschrecke nicht vor deinem End,
Es ist nichts Böses drinnen;
Dein lieber Herr streckt seine Händ
Und fordert dich von hinnen
Aus soviel tausend Angst und Qual,
Die du in diesem Jammertal
Bisher hast ausgestanden.

Zwar heißts ja Tod und Sterbensnot,
Doch ist da gar kein Sterben;
Denn Jesus ist des Todes Tod
Und nimmt ihm das Verderben,
Daß alle seine Stärk und Kraft
Mir, wenn ich jetzt werd hingerafft,
Nicht auf ein Härlein schade.

Des Todes Kraft steht in der Sünd
Und schnöden Missetaten,
Darin ich armes Adamskind
So oft und viel geraten;
Nun ist die Sünd in Jesu Blut
Ersäuft, erstickt, getilgt und tut
Fort gar nichts mehr zur Sachen.

Die Sünd ist hin und ich bin rein;
Trotz dem, der mir das nehme!
Hinfüro ist das Leben mein,
Darf nicht, daß ich mich gräme
Um einger Sünden Lohn und Sold;
Wer ausgesöhnt, dem ist man hold
Und tut ihm nichts zuwider.

Ei nun, so nehm ich Gottes Gnad
Und alle seine Freude
Mit mir auf meinen letzten Pfad
Und weiß von keinem Leide.
Der wilde Feind muß nur ein Schaf,
Sein Ungestüm ein süßer Schlaf
Und sanfte Ruhe werden.

Du Jesu, allerliebster Freund,
Bist selbst mein Licht und Leben:
Du hältst mich fest, und kann kein Feind
Dich, wo du stehest, heben.
In dir steh ich, und du in mir;
Und wie wir stehn, so bleiben wir
Hier und dort ungeschieden.

Mein Leib, der legt sich hin zur Ruh,
Als der fast müde worden;
Die Seele fährt dem Himmel zu
Und mischt sich in den Orden
Der auserwählten Gottesschar
Und hält das ewge Jubeljahr
Mit allen heilgen Engeln.

Kommt dann der Tag, o höchster Fürst
Der Kleinen und der Großen,
Da du zum allerletzten wirst
In die Posaunen stoßen,
So soll denn Seel und Leib zugleich
Mit dir in deines Vaters Reich
Zu deiner Freud eingehen.

Ists nun dein Will, so stell dich ein,
Mich selig zu versetzen.
Ach, ewig bei und mit dir sein,
Wie hoch muß das ergötzen!
Eröffne dich, du Todespfort,
Auf daß an solchen schönen Ort
Ich durch dich möge fahren!