Paul Gerhardt

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
Das soll mir niemand nehmen!
Er lebt, und was ihm widerstrebt,
Das muß sich endlich schämen.
Er lebt fürwahr, der starke Held,
Sein Arm, der alle Feinde fällt,
Hat auch den Tod bezwungen.

Des bin ich herzlich hoch erfreut
Und habe gar kein Scheuen
Vor dem, der alles Fleisch zerstreut
Gleich wie der Wind die Spreuen.
Nimmt er gleich mich und mein Gebein
Und scharrt uns in die Gruft hinein,
Was kann er damit schaden!

Mein Heiland lebt! Ob ich nun werd
Ins Todes Staub mich strecken,
So wird er mich doch aus der Erd
Hernachmals auferwecken;
Er wird mich reißen aus dem Grab
Und aus dem Lager, da ich hab
Ein kleines ausgeschlafen.

Da werd ich eben diese Haut
Und eben diese Glieder,
Die jeder jetzo an mir schaut,
Auch was sich hin und wieder
Von Adern und Gelenken findt
Und meinen Leib zusammenbindt,
Ganz richtig wieder haben.

Zwar alles, was der Mensche trägt,
Wird, wenn er sich hin steben legt,
Das Fleisch und seine Knochen,
Zermalmet und zerbrochen
Von Maden, Motten und was mehr
Gehöret zu der Würmer Heer;
Doch solls nicht stets so bleiben.

Es soll doch alles wieder stehn
In seinem vorgen Wesen,
Was niederlag, wird Gott erhöhn,
Was umkam, wird genesen.
Was die Verfaulung hat verheert
Und die Verwesung hat gezehrt,
Wird alles wiederkommen.

Das hab ich je und je gegläubt
Und fass ein fest Vertrauen.
Ich werde den, der ewig bleibt,
In meinem Fleische schauen;
Ja, in dem Fleische, das hier stirbt
Und in dem Stank und Kot verdirbt,
Da werd ich Gott inn sehen.

Ich selber werd in seinem Licht
Ihn sehn und mich erquicken,
Mein Auge wird sein Angesicht
Mit großer Lust erblicken.
Ich werd ihn mir sehn, mir zur Freud,
Und werd ihm dienen ohne Zeit,
Ich selber und kein Fremder.

Trotz sei nun allem, was mir will
Mein Herze blöde machen!
Wärs noch so mächtig groß und viel,
Kann ich doch fröhlich lachen.
Man treib und spanne noch so hoch
Sarg, Grab und Tod, so bleibet doch
Gott, mein Erlöser, leben.