Paul Gerhardt

Johannes sahe durch Gesicht ein edles Licht

(Off. Joh. 7, 9 ff.)

Johannes sahe durch Gesicht
Ein edles Licht
Und liebliches Gemälde:
Er sah ein Haufen Völker stehn,
Sehr hell und schön,
Im güldnen Himmelsfelde.
Ihr Herz und Mut
Schwebt in dem Gut,
Das hier kein Mann
Bezahlen kann
Mit allem Gut und Gelde.

Sie trugen Palmen in der Hand;
Ihr Ort und Stand
War vor des Lammes Throne,
Ihr Mund war voller Lob und Preis,
Die Kleider weiß,
Ihr Lied, im höhren Tone,
Klang süß und sang
Des Höchsten Dank,
Und dieser Stimm
Half üm und üm
Der Engel heilge Krone.

Wer, sprach Johannes, sind doch die,
Die ich allhie
In weißem Schmuck seh halten?
Es sind, antwortet aus der Schar,
Die um ihn war,
Der eine von den Alten:
Es sind, mein Sohn,
Die sich den Hohn
Und Spott der Welt
Von Gottes Zelt
Nicht lassen abehalten.

Es sind die, so vor dieser Zeit
In großem Leid
Auf Erden sich befunden,
Die bei des Herren Jesu Ehr
Und seiner Lehr
All Angst und Trübsalswunden,
Zwar ohne Schuld,
Doch mit Geduld,
Durch Gott gekühlt,
Recht wohl gefühlt
Und fröhlich überwunden.

Dieselben haben all ihr Kleid,
Als treue Leut,
Im Glaubensbad erkläret;
Sie haben sich der Höllen List,
So viel der ist,
Mit starkem Mut erwehret
Und nicht geacht
Der Erden Pracht,
Des Lammes Blut
Zu ihrem Gut
Erwählet und begehret.

Darum so stehen sie auch nun
Und all ihr Tun
Wo Gottes Tempel stehet;
Der Tempel, da man Tag und Nacht
Dem Höchsten wacht
Und seinen Ruhm erhöhet;
Da leben sie
Ohn alle Müh,
Ohn alle Qual
Im Freudensaal,
Der nimmermehr vergehet.

Daselbst sitzt Gott in seinem Haus
Und breitet aus
Die Hütte seiner Güte
Und deckt mit sanfter Wollust zu
In stiller Ruh
Manch trauriges Gemüte.
Was Freude gibt,
Dem Herzen liebt,
Die Augen füllt,
Das Sehnen stillt,
Steht da in voller Blüte.

Da ist kein Durst, kein Hungersnot,
Das Himmelsbrot
Läßt keinen Mangel leiden,
Da scheint die Sonne keinem mehr
Zu heiß und sehr,
Ihr Glanz bringt lauter Freuden.
Die Himmelssonn
Und Herzenswonn
Ist unser Hirt,
Der große Wirt
Und Herr der ewgen Weiden.

Das Lamm wird weiden seine Herd,
Als sies begehrt,
Auf Auen, die schön prangen;
Es wird sie leiten zu dem Quell,
Der frisch und hell,
Das Heil draus zu erlangen;
Und wird gewiß
Nicht ruhen, bis
Er uns erfrischt
Und abgewischt
Die Tränen unsrer Wangen.