Johann Christian Günther

Als er sich der ehmals von Flavien genossnen Gunst noch erinnerte

Erinnert euch mit mir, ihr Blumen, Bäum und Schatten
   Der oft mit Flavien gehaltnen Abendlust!
   Die Bäche gleißen noch von Flammen treuer Brust,
In der wir wertes Paar des Himmels Vorschmack
hatten.
   O goldne Frühlingszeit! Mein Herz, was kommt
dir ein?
   Du liebest Flavien; sie ist ja nicht mehr dein.
Hier war es, wo ihr Haupt mir oft die Achsel drückte,
   Verschweigt ihr Linden mehr, als ich nicht sagen darf;
   Hier war es, wo sie mich mit Klee und Quendel warf,
Und wo ich ihr die Schoß voll junger Blüten pflückte.
   Da war noch gute Zeit! Mein Flerz, was kommt dir ein?
   Betrübt dich Flavia? Sie ist ja nicht mehr dein.