Wolfgang Madjera

Alpenfahrt

Über die rauchenden Hütten,
Über den schäumenden Bach,
Über die Wipfel der Tiefe
Schwing' ich mich auf,
Genosse des Adlers,
Der Winde Gespiel
Und allen Geschossen
Der Qual entrückt.

Urgedanken
Der Schöpfung versteinert,
Urgefühle
Der göttlichen Seele
Schließen mich ein.

Wie sich die blinden
Augen dem Lichte,
Dem labenden, auftun!
Wie sich der Odem,

Befreit aus der heißen,
Verwundeten Brust,
Verliert im bläulichen
Bade des Äthers!

Kristallene Schleier
Breiten Vergessen
Über das Tal.

Verscholl das Gestöhn
Der waffenumklirrten
Zerwühlten Gefilde?
Menschen entschwanden mir,
Friede erstand.

Schwieg der Sophisten
Gezänk und das Krächzen
Der schönheitverlor'nen
Apostel des Alltags?
Orgeltönen
Schlang sie hinab.

Denn es klingt
In den Lüften Geläute
Fern von den Grenzen,
Wo Sabbatstille
Sich ewig breitet.

Und ich sinke
Zu Boden und presse
Mein Angesicht
An das bebende Herz
Der geliebten Erde,
Und es trinkt
Ihr jungfräulicher Schoß
Des Wiedergebornen
Erlösungstränen!