Wolfgang Madjera

Der Eisack-Fall auf dem Brenner

Alpenrosen
Umkränzen dein Haupt,
Wie du hernieder
Von Fels zu Fels
Mit schneeweißen Gliedern
Jauchzend springst;
Und unten lachend,
Vom Sprunge rastend,
Erzählst du den Blumen,
Die dich begrüßen,
Das Märchen, dich habe
Der Himmel gesandt.

Aber im stillen
Gemache der Dichter
Auf nächtlichem Lager
Lauschend ruht.
Und auf des Mondes
Bläulichen Strahlen
Über die Wiese
Kommt sie gezogen,
Die liebliche Sage,
Wie du sie rauschest
Immer in gleicher,
Schwellender, quellender
Melodie.

Und sie füllt sein Ohr
Und sie schläfert ihn ein
Und im Traume noch wiegt ihn
Dein träumerisch Lied.

Morgens erwacht er.
Es ruft ihn das Posthorn
Zur weiteren Fahrt.
Aber noch lange,
Wenn es ihn schmetternd
Mit klingenden Rossen
Südwärts entführt,
Umspielt ihn von fern
Die geschäftige Mär,
Die schäumend die Welle
Den Blumen erzählt.

Und er grüßt zurück
Und es leuchtet sein Aug'
Und es jauchzt ihm das Blut,
Wie der Felsenquell —
Freudehell!