Wolfgang Madjera

Allerseelen

Wie sind nun machtlos alle die Vampyre,
Glück, Sehnsucht, Lust, Enttäuschung, Angst und Elend,
Die unser Herzblut saugen, bis entseelend
Herr Tod uns pirscht in seinem Jagdreviere!

Gleich friedlich ruh'n, die stürmten und die schlichen,
Gespornt, gehetzt, gepeinigt vom Geschicke,
Bis im verheiungsvollsten Augenblicke
Die Schollen gähnend unter ihnen wichen. -

Wie lange noch, und über meinem Hügel
Weht auch des Herbstwinds tränenfeuchter Flügel,
Und raschelnd jagen sich die toten Blätter,

Und aus dem blau verglasten Grablaternchen
Blinkt, müder Hoffnung Bild, ein glimmend Sternchen
Hinaus ins neblige Novemberwetter.