Wilhelm Müller

An Johannes

Aus deiner Brust hab' ich empor gesungen
Verschwiegner Liebesflammen Lust und Schmerz,
Und von den Klängen fühl' ich nun durchdrungen
Mit tiefer Regung fast mein eignes Herz.
Der Frühling naht: schon trägt man aus dem Hause
Die Blumen an das freie Tageslicht;
Und länger bleiben auch in ihrer Klause
Die Winterblüthen meiner Muse nicht.
Gedeihen muß die Lenzluft ihnen geben
Und junges Grün und frischen Knospendrang,
Auf daß sie sich befreunden mit dem Leben,
Und werben nach der Leute Lob und Dank.
So ziehn sie aus im Duft und Glanz des Maien,
Bekränzt mit schwarzem Leid und bunter Lust;
Und will der Winter sie mit Schnee bestreuen,
So flüchten sie zurück in deine Brust.