Wilhelm Müller

Das Hirtenfeuer in der römischen Ebene

Hirt.

Ade, Ade, Geliebte,
Und reich' mir deine Hand!
Ich treibe meine Heerde
Hinab in's Niederland.

Die Saaten sind gemähet,
Das Stoppelfeld ist frei:
Laß uns mit blauem Bande
Verknüpfen Lieb' und Treu'.

Ich trag' es auf dem Hute,
Du trägst es auf der Brust,
Und pocht dein Herz dagegen,
Ich fühl's in banger Lust.

Schaust du herab vom Berge
Wohl in der dunkeln Nacht,
Tief unten brennt ein Feuer,
Wo dein Geliebter wacht.

Und höher schlägt die Lohe,
Und heller glüht der Schein:
Dann denk', es ist sein Herze,
Das will hier oben sein.

Hirtin.

Ade, Ade, Geliebter!
Wie zeig' ich dir mein Herz?
In enger, stiller Kammer
Verschließt es Lust und Schmerz.

Und schau' ich aus dem Fenster
Hinab in's weite Feld,
Du findest keine Thräne,
Die dort hinunterfällt.

Ich seh' ein Feuer brennen
Wohl in der dunkeln Nacht:
Gesegnet sei die Stätte,
Wo mein Geliebter wacht!

Und höher schlägt die Lohe,
Und heller glüht der Schein,
Ich wieg' auf seinen Flammen
All' meine Sorgen ein.

Laß nicht den Brand erlöschen,
Geliebter, eh' es tagt:
Kann ich den Schlaf nicht finden,
Kürzt mir dein Licht die Nacht.