Wilhelm Müller

Dasselbe noch einmal

Die Abendnebel sinken
Hernieder kalt und schwer,
Und Todesengel schweben
In ihrem Dampf umher.

Gehüllt in meinen Mantel,
Den Spieß an's Herz gedrückt,
Schau' ich empor zum Berge
Und träume mich beglückt.

Er steigt so grün und helle
Hervor aus grauem Duft,
Wie eine Zauberinsel
In wogenblauer Luft.

Der letzte Strahl der Sonne
Ruht sich auf ihm so gern,
Mit seinem ersten Schimmer
Grüßt ihn der Abendstern.

Er trägt ein kleines Hüttchen,
Ich seh's von unten kaum,
Und vor der Hüttenthüre
Blüht ein Zitronenbaum.

Darunter sitzt mein Mädchen,
Die Spindel in der Hand,
Und spinnt und sinnt und schauet
Herab in's ebne Land.

Es lodert helles Feuer
Hier unten in der Nacht,
Das ihr die Stätte weise,
Wo ihr Geliebter wacht.

Mein gellend Hifthorn richt' ich
Hoch in die Luft empor,
Die Wiederhalle tragen
Den Klang zu ihrem Ohr.

Und ist das Horn verklungen
Und glimmt das Feuer aus,
Geliebte, geh' und pflücke
Mir einen Blumenstrauß.

Und wirf ihn von der Höhe
Mit einem Gruß herab,
Dann tragen schnelle Winde
Ihn auf mein frisches Grab.