Wilhelm Müller

Amor, ein Fiedler

Amor lernt die Fiedel spielen
Bei dem Gott der Musikanten,
Und zu diesem Pfingstgelage
Will er vor dem Thor der Schenke
Unter grünem Maienschatten
Sich bei uns zum ersten Male
Unentgeltlich hören lassen.
Kommt, ihr Bursche! Kommt, ihr Mädchen!
Kommt und tanzt nach seiner Fiedel!
Und sie tanzen und sie springen,
Und die Füße mit den Herzen
Heben sich in gleichen Takte
Nach dem Striche seines Bogens.
Schneller, schneller, kleiner Fiedler!
Und er fiedelt nach Verlangen,
Daß die Kränze, Sträuße, Flechten,
Bänder, Schürzen, Röcke fliegen,
Und die Tänzer enger fassen
Ihre leichten Tänzerinnen.
Ei, und dennoch sind so viele
Ausgeglitten, fehlgetreten,
Gar gestolpert und gefallen
Auf dem glatten Rasenplane!
Aber, Dank dem weichen Grase,
Weh gethan hat sich nicht Eine.