Wilhelm Müller

Abschied

Was soll ich erst kaufen
Eine Feder und Tint'?
Buchstabiren und Schreiben
Geht auch nicht geschwind.
Will selber hinlaufen
Zu der Nannerl in's Haus,
Will's mündlich ihr sagen:
Unsre Liebschaft ist aus!

Unsre Liebschaft ist zerrissen,
Wird nimmermehr ganz;
Und morgen da führ' ich
Ein' Andre zum Tanz.
Es springen viel Dirnen
Und singen dazu,
Ach Nannerl, ach Nannerl,
Doch Keine wie du!

Unsre Liebschaft ist zerrissen,
Unsre Liebschaft ist aus!
Ich klopfe nicht wieder
An der Nannerl ihr Haus.
Der Häuser giebt's viele
Mit Fenstern darein;
Doch's klinget kein Fenster
Wie deines so fein!

Unsre Liebschaft ist zerrissen –
Leb' wohl denn, mein Kind!
Was ist's, daß so beißend
Aus den Augen mir rinnt?
Es weinen viel Bursche
Und jammern dabei –
Doch, Nannerl, 's kömmt Keinem
Vom Herzen so treu!

Unsre Liebschaft ist zerrissen,
Mein Herze dazu –
Ach Nannerl, mein Nannerl,
Was meinest denn du?
Und müssen wir scheiden
In jetziger Zeit,
Führ' Gott uns zusammen
In die ewige Freud'!