Wilhelm Müller

Auf der Höhe von Schönberg

Berge schauen über Berge,
Aus den Tannen steigt der Schnee,
Weiße Wolken ziehn wie Schwäne
Durch des Äthers blauen See.

Und die Felsenwarten strecken
Spitze Thürme himmelan,
Jede Wolke spöttisch fragend,
Ob sie weiter sehen kann.

Sehnsucht, regst du deine Flügel
Um mich her mit starkem Schlag?
Ach, durch meinen Busen zittern
Ihre Schauer leise nach.

Aber zu dem großen Zuge,
Den der Sturm der Höhe lenkt,
Will mein Herz sich nicht gesellen,
Wenn es seiner Liebe denkt.

Unten in dem Wiesengrunde
Sucht es einen stillen Ort,
Und des Bächleins Wellen tragen
Seine Grüß' und Seufzer fort.