Wilhelm Müller

Das Röschen

Du kleine junge Kellnerin,
Warum so gar verlegen?
Wer schüttet doch den Wein dahin
Um eines Kusses wegen?
Komm, daß der Alt' es nur nicht seh';
Ich will es auf mich nehmen.
Schenk' ein, Gesichtchen in die Höh'!
Ich büße dir das Schämen.

Du schauest in das Glas hinein
Mit purpurrothen Wangen:
Da schwimmt hoch oben auf dem Wein
Ein Röschen unbefangen.
Und sieh, ich küss' es, wie ich will,
Bis es hinabgesunken.
Halt, Röschen, auf der Wange still!
Der Wein ist ausgetrunken.