Wilhelm Müller

Alexander Ypsilanti aus Munkacs

Alexander Ypsilanti saß in Munkacs hohem Thurm,
An den morschen Fenstergittern rüttelte der wilde Sturm,
Schwarze Wolkenzüge flogen über Mond und Sterne hin –
Und der Griechenfürst erseufzte: Ach, daß ich gefangen bin!
An des Mittags Horizonte hing sein Auge unverwandt:
Läg' ich doch in deiner Erde, mein geliebtes Vaterland!
Und er öffnete das Fenster, sah in's öde Land hinein;
Krähen schwärmten in den Gründen, Adler um das Felsgestein.
Wieder fing er an zu seufzen: Bringt mir Keiner Botschaft her
Aus dem Lande meiner Väter? – Und die Wimper ward ihm schwer –
War's von Thränen? war's von Schlummer? und sein Haupt sank in die Hand.
Seht, sein Antlitz wird so helle – Träumt er von dem Vaterland?
Also saß er, und zum Schläfer trat ein schlichter Heldenmann,
Sah mit freudig ernstem Blicke lange den Betrübten an:
Alexander Ypsilanti, sei gegrüßt und fasse Muth!
In dem engen Felsenpasse, wo geflossen ist mein Blut,
Wo in einem Grab die Asche von dreihundert Spartern liegt,
Haben über die Barbaren freie Griechen heut' gesiegt
Diese Botschaft dir zu bringen ward mein Geist herabgesandt.
Alexander Ypsilanti, frei wird Hellas heil'ges Land!
Da erwacht der Fürst vom Schlummer, ruft entzückt: Leonidas!
Und er fühlt, von Freudenthränen sind ihm Aug' und Wange naß.
Horch, es rauscht ob seinem Haupte, und ein Königsadler fliegt
Aus dem Fenster, und die Schwingen in dem Mondenstrahl er wiegt.