Wilhelm Müller

Der Bund mit Gott

Kein König und kein Kaiser auf dieser Erde Rund
Will uns die Rechte reichen, zu schließen einen Bund.
Sie haben ihre Heere gesandt bis an den Pruth,
Es segeln ihre Flotten durch unsre Meeresfluth,
Sie sehn die Wogen glühen von unsres Blutes Roth,
Sie schauen unsre Thaten und hören unsre Noth;
Doch tauber, als die Woge, die ihre Schiffe trägt,
Doch härter, als die Klippe, die Kiel und Mast zerschlägt,
Sind sie vorbeigesegelt, als Chios grauser Brand
Des Meeres Ungeheuer aufschreckt' im tiefsten Sand,
Wo sie der Ruhe pflogen nach ihrem Paschenschmaus
Von süßem Säuglingsfleische. Sie stierten wild heraus
Aus feuerhellen Wogen, und um sie hin und her
Da schwammen frische Leichen und reizten sie nicht mehr.
Sie sind vorbeigesegelt. Der Herr hat es gesehn.
Da sandt' er Feuerströme herab aus seinen Höhn –
Wohin zielt seine Rechte? Wen meint der Flammenstrahl?
Des Würgers stolze Flotte fliegt auf in Blitz und Knall,
Daß donnernd wiederhallen die Berge rund umher,
Und aus den tiefsten Höhlen aufbraust das weite Meer.
Seht, und den Würger schleudert ein höllenrother Brand
Von seinem weichen Polster hinüber an den Strand,
Wo nicht so viel des Bodens von Blut geblieben rein,
Um ihm im letzten Röcheln ein trocknes Bett zu sein.
So segelt denn vorüber und danket Gott dem Herrn,
Und was ihr habt gesehen, das meldet nah und fern,
Und machet euren Herrschern die Wunderbotschaft kund:
Gott hat mit Hellas Söhnen geschlossen einen Bund,
Den heil'gen Bund der Liebe auf Leben und auf Tod,
Dem Höll' und Welt vergebens mit Gold und Eisen droht.
Der heil'ge Bund wird halten, ob alle untergehn,
Wird mit uns triumphirend einst aus dem Grab erstehn.