Wilhelm Müller

Bobolina

Bobolina, Bobolina, Königin der Meeresfluth!
Wie erglühen rings die Wogen um dich her so roth von Blut!
Wie dein schwarzer Witwenschleier stolz als Kriegsflagge weht,
Und mit tausend Argusaugen auf dem Mast die Rache steht!
Um sich späht sie durch die Meere, durch die Inseln, durch das Land,
Und es weint ihr jedes Auge, das noch keine Beute fand.

Bobolina, Bobolina! Durstig ist die Meeresfluth,
Durstig sind des Schiffes Balken, durstig sind wir all' nach Blut.
Horch, und aus der Wogen Grunde hallt ein dumpfer Geisterlaut:
Schütte Blut mir in die Tiefe, Bobolina, meine Braut!
Einen Bach für jeden Tropfen, der aus meinem Herzen sprang,
Als der Dolch der Henkersknechte des Tyrannen es durchdrang.

Bobolina, Bobolina, führ' uns in den Kampf hinein!
Hörst du nicht vom hohen Maste jubelnd schon die Rache schrein?
Sausend schwellen deine Segel, und das schwarze Schleiertuch
Flattert rauschend durch die Lüfte, wie des Leichenvogels Flug.
Bobolina, Bobolina, gieb das Zeichen zu dem Streit.
Warte nicht auf andre Boten! – Türkensegel sind nicht weit.