Wilhelm Müller

Altschottisches Lied

(1817.)

Ach wär' mein Schatz ein Röslein roth
Und blüht' es auf dem Schloßwall hier,
Und ich, ich wär' ein Tröpflein Thau,
Wie wollt' ich fallen hinab zu ihr!

O, wie 'st mein Schatz so lieb, lieb, lieb,
So lieb und gar so wunderschön,
Und seh' ich ihr freundlich in's holde Gesicht,
Da werd' ich gleich wieder so angesehn!

Ach wär' mein Schatz ein Weizenkorn,
Läg' unten, dort unten im blumigen Grund,
Und ich ein klein fein Vögelein,
Fort flog' ich, das Weizenkörnchen im Mund!

O, wie 'st mein Schatz so lieb, lieb, lieb,
So lieb und gar so wunderschön,
Und seh' ich ihr freundlich in's holde Gesicht,
Da werd' ich gleich wieder so angesehn!

Ach wär' mein Schatz ein güldner Schrank,
Und ich, ich müßte Schließer sein,
Da schlöss' ich auf, ich schaut', ich horcht',
Ich schlöss' in den Schrank mich selber ein!

O, wie 'st mein Schatz so lieb, lieb, lieb,
So lieb und gar so wunderschön,
Und seh' ich ihr freundlich in's holde Gesicht,
Da werd' ich gleich wieder so angesehn!