Wilhelm Müller

Calderon

(1823.)

Was in der Menschenseele dunklen Tiefen
Mit Lust und Schmerz, mit Haß und Liebe waltet,
Bis es der Knospe feste Hüllen spaltet,
In der die Keime aller Thaten schliefen;

Und die Gewalten, die an's Licht sie riefen,
Die Hand, die Blüthen abbricht und entfaltet,
Und aus den Blüthen Früchte dann gestaltet:
Das sind des Erdendrama's Hiroglyphen.

Du hast sie uns mit Blumenschrift geschrieben
In einem weiten, Hellen Zaubergarten,
Aus dem wir in des Himmels Fernen schauen.

Kein blindes Schicksal ist zurück geblieben;
Des ew'gen Gärtners Hände selber warten
Der Blumen in den bunten Lebensauen.