Wilhelm Müller

An Friedrich Schneider

Nach der Melodie: Lasset die Freud' uns im Flug erhaschen.

Heißet den Meister der Töne willkommen
Hier in dem Port!
Rauschende Fluthen hat er durchschwommen,
Rauschende Fluthen sie rissen uns fort;
Aber er lenkt' uns durch Klippen und Wogen
Hin zu dem seligen Friedensbogen.

Wie auch die Fluth unsers Lebens sich thürme
Rings um die Brust,
Arche der Töne, durch Wirbel und Stürme
Schwebst du darüber in himmlischer Lust!
Unter dir finsteres Wühlen und Toben;
Aber dein Steuerer schauet nach oben.

Heißet den Steuerer fröhlich willkommen
Hier bei dem Wein!
Pflanzte nicht Reben der Vater der Frommen
In die gerettete Erde hinein?
Noah, gieb Wein uns dem Meister zu Ehren,
Der dich gefeiert in mächtigen Chören!

Lasset die schäumenden Becher erklingen
Unter Gesang!
Rüstiges Leben und heiteres Ringen,
Stilles Genügen und rauschender Dank
Sollen auf langen, grünenden Wegen
Kränzen den Meister mit himmlischem Segen!


Gesungen von einem Kreise seiner Freunde, nach der Aufführung seines neuen Oratoriums, Die Sündflut, Dessau, den 2. November 1824 (Schwab).