Wilhelm Müller

Auf den Tod des Georgis

Neugriechisches Volkslied
(1826.)

Wie viele Mütter sind betrübt, sie trösten sich doch alle,
Des Georgis Mutter ist betrübt, und sie wird Trost nicht finden.
An ihrem Fenster sitzet sie und überschaut die Felder,
Sie sieht den Fuß des Berges dort von Lunos sich verfinstern.
Und ist es von dem vielen Schnee, und ist es von dem Winter? —
Es ist nicht von dem vielen Schnee, es ist nicht von dem Winter.
Sie schlossen ein den schwarzen Georg, Ungläubige von Lala;
Es waren ihrer wenig nicht, es waren zwei, drei tausend,
Und der Georgis war allein mit seinen zwölf Genossen.
Der Derwisch rief, der Araber, von seinem festen Posten:
Heraus, Georgis, beuge dich und gieb uns deine Waffen! —
Georgis, ich, des Giania Sohn, des ersten Kapetanos,
Bestehen will ich diesen Kampf mit meinen zwölf Genossen. —
Makri Panagos rief herab von einem hohen Berge:
Halt aus, Georgis, in dem Kampf, halt aus der Flinten Feuer!
Ich komme dir zur Hülfe her, und bringe zwei, drei tausend. —
Wie halt' ich aus, mein lieber Ohm, drei Tage und drei Nächte,
Und ohne Wasser, ohne Brot, und ohne alle Stütze?
Wer ist so würdig und so schnell, zu gehen nach Trikorsa,
Auf daß der Neuvermählten er, der Georgina, sage:
Sollst putzen dich zu Ostern nicht, kein Goldstück an dich hängen —
Getödtet haben sie den Georg mit seinen zwölf Genossen.