Wilhelm Müller

Abendgesang zu demselben Jubelfeste

(Bei Überreichung eines silbernen Bechers an einen Jubellehrer, 1827.)

Der Tag entweicht, das Fest verklingt,
Die Liebe glüht und wacht,
Und in der dunkeln Stille singt
Sie dir noch gute Nacht.

Du hast sie wohl verdient die Ruh':
Wer hat so treu geschafft
Mit unverdrossnem Muth, wie du,
Mit unerschöpfter Kraft?

Auf seinem Lorbeer schläft der Held.
Wo ist dein Ehrenkranz?
Du sahst ihn heut' um dich gestellt
In jungem Lenzesglanz.

Dein Ehrenkranz, das ist die Schaar
Der Schüler rundumher,
Der welkt nicht, wie ein Kranz im Haar,
Wird nie von Blüthen leer.

Die Blüthen wachsen fort und fort
In jeder Jahreszeit,
Und tragen Frucht von Ort zu Ort
Bis in die Ewigkeit.

Heil, den ein Kranz, wie dieser, schmückt,
Heil, treuer Lehrer, dir!
Und trage lange noch beglückt
Die schöne Ehrenzier!