Anton Ohorn

Alles verschneit

O winterlich stille Einsamkeit!
Fern tönen verhallende Glocken,
Der Himmel ist grau und alles verschneit,
Und immer noch rieseln die Flocken.

Der Wind fegt rauh durch Wald und Flur,
Hoch weht es den Schnee an der Hecke,
Und weder Pfad ist zu seh'n, noch Spur,
Weithin nur die glitzernde Decke.

Die Zweige beugen sich unter der Last
Des blinkenden Flaumes nieder,
D’rauf halten Vöglein traurige Rast
Und schütteln den Schnee vom Gefieder.

Wie friert und hungert die kleine Schar
Am trüben Wintertage:
O, wär's wieder Lenz und der Himmel klar,
O, blühten die Rosen im Hage!

Und wo der Zufall ein Körnchen streut,
Verweht vom eisigen Winde,
Da fliegt es herbei, es piept und schreit
Und zankt und pickt so geschwinde.

Doch mancher muntere, kleine Gast,
Der im Sommer dir sang seine Lieder,
Sinkt kalt und todt vom verschneitwn Ast
Und sieht den Lenz nicht wieder.

O, schaust du hinaus auf den schimmernden Schnee,
Behaglich, im Kreise der Deinen,
So denke daran: der Hunger thut weh -
Und vergiß nicht die frierenden Kleinen!