Ludwig Rellstab

Abschied

Ade, Du muntre, Du fröhliche Stadt, Ade!
Schon scharret mein Rösslein mit lustigem Fuß;
Jetzt nimm meinen letzten, den scheidenden Gruß.
Du hast mich wohl nimmermehr traurig gesehn,
So kann es auch jetzt nicht beim Abschied geschehn.
Ade...

Ade, Ihr Bäume, Ihr Gärten so grün, Ade!
Nun reit’ ich am silbernen Strome entlang,
Weit schallend ertönet mein Abschiedsgesang;
Nie habt Ihr ein klagendes Lied gehört,
So wird Euch auch keines beim Scheiden beschert.
Ade...

Ade, Ihr freundlichen Mägdelein dort, Ade!
Was schaut Ihr aus blumenumduftetem Haus
Mit schelmischen, lockenden Blicken heraus?
Wie sonst, so grüß’ ich und schaue mich um,
Doch nimmermehr wend’ ich mein Rösselein um.
Ade...

Ade, liebe Sonne, so gehst Du zur Ruh’, Ade!
Nun schimmert der blinkenden Sterne Gold.
Wie bin ich Euch Sternlein am Himmel so hold;
Durchziehen die Welt wir auch weit und breit,
Ihr gebt überall uns das treue Geleit.
Ade...

Ade, Du schimmerndes Fensterlein hell, Ade!
Du glänzest so traulich mit dämmerndem Schein
Und ladest so freundlich ins Hüttchen uns ein.
Vorüber, ach, ritt ich so manches mal
Und wär’ es denn heute zum letzten mal?
Ade...

Ade, Ihr Sterne, verhüllet Euch grau! Ade!
Des Fensterleins trübes, verschimmerndes Licht
Ersetzt Ihr unzähligen Sterne mir nicht;
Darf ich hier nicht weilen, muß hier vorbei,
Was hilft es mir, folgt Ihr mir noch so treu!
Ade, Ihr Sterne, verhüllet Euch grau! Ade!