Rainer Maria Rilke

Gott, wie begreif ich deine Stunde

Gott, wie begreif ich deine Stunde,
als du, daß sie im Baum sich runde,
die Stimme vor dich hingestellt;
dir war das Nichts wie eine Wunde,
da kühltest du sie mit der Welt.

Jetzt heilt es leise unter uns.

Denn die Vergangenheiten tranken
die vielen Fieber aus dem Kranken,
wir fühlen schon in sanftem Schwanken
den ruhigen Puls des Hintergrunds.
Wir liegen lindernd auf dem Nichts
und wir verhüllen alle Bisse;
du aber wächst ins Ungewisse
im Schatten deines Angesichts.