Christa Schyboll

Am Pazifik

Laute spitze Schreie
Der Lust
Entriss mir der Pazifik
Der seine Brandung gegen mich schäumte

Ich bäumte mich auf
Und er packte mich
Mit der Wucht eines Riesen

Er schmiss mich nieder
Und verschlang mich
Mit seinem Wellenmaul

Im Strudel seiner Bewegungen
Wurde ich haltlos
Auf sandigem Grunde gewälzt

Ich war eins mit dem Meere
Und der Erde zugleich
Bis mir die Sinne schwanden

Ich verlor meinen Weg
Wo nur war oben noch unten
Nur mein Horchen vernahm einen Klang

Es kündete: Komm, sei Gast
Im singenden Ozean
Der seine Musik auch in dir entfacht

Mit geschlossenen Augen
Und tastenden Händen
Taumelte ich aus schäumendem Nass

Dann kam der Riese zurück
Und tauchte mich in sein brüllendes Tosen
Und seine wild spielende Macht

Atemlos unterwarf ich mich
Seinem raunenden Grollen
Meine Eigenmusik im Duett entzündend


Der Wellenriese spülte mich zurück
Als wolle er sagen: Feste Erde ist deine Heimat
Du atemloses Menschenkind

Dir fehlt die Atemkraft der Wale
Und die Anmut der Delphine
Doch verkünde unser wildes Spiel

Ja, schrie ich auf - Ich kehre zurück
Doch lass mich ein wenig noch
Die Wonnen unseres Freudenspiels genießen

Verschlinge, trage, umspüle mich
Bewegt in deinen tanzenden Wellen
Liebäugle mit meinem Leib und den Sinnen
Und lass uns gemeinsam das Lied
Des Menschen und des Meeres singen

Und wieder kam der Riese zurück
Sang und verschlang mich
Und über den Ozean
Tönte pazifische Melodie