Johann Gabriel Seidl

Böser Zweifel

Mein Kind, solang' ich bei dir bin,
Bist du, das fühl' ich, mein;
Da schleicht sich wohl in deinen Sinn
Kein fremdes Bild hinein.

Da bist du mir vom Herzen gut,
Tust alles, was ich will,
Verleugnest dein bewegtes Blut,
Wirst ernst und weich und still.

Doch wenn dein Auge mich vermißt,
Wenn andre nach dir sehn,
Und du dir überlassen bist,
Was mag wohl dann geschehn? –

Drum fährt mir manchmal durch den Sinn
Der böse Zweifel hin:
Ob ich wohl dann auch bei dir bin,
Wenn ich nicht bei dir bin?!