Johann Gabriel Seidl

Der Glöckchenwalzer

Lichter flimmern, Saiten klingen,
Losgelassen ist die Lust,
Walzend wogt es auf und nieder,
Aug' in Auge, Brust an Brust.

Zauberische Melodien
Schmeicheln sich ins Herz hinein:
Untreu muß es wider Willen
Seinem liebsten Grame sein.

Und die Lüfte selbst ermatten,
Fenster werden aufgetan,
Und, die müden abzulösen,
Wogen frische lüstern an.

Und in kühler Fensterecke
Stand ich, ein Vergessner, da,
Ernst genießend, was ich hörte,
Still betrachtend, was ich sah.

Horch! da tönt ein neuer Walzer,
Klag' und Jubel im Verein,
Und als schmelzende Begleitung
Tönt ein Glöckchen silbern drein.

Er entzückt die frohen Tänzer,
Macht beinah' die Spieler irr,
Wie erfaßt von Zaubertaumel
Wogt das brausende Gewirr. –

Jetzt verstummten Flöt' und Geige,
Nur das Glöcklein klang noch bang:
Denn es war das – Totenglöcklein,
Das durchs offne Fenster klang.